Freitag, 17. Januar 2020
Jan Kjærstad „Berge“
Übersetzung Bernhard Strobel

Ich muss es gleich vorweg sagen, kann mit meiner Meinung nicht hinterm „Berge“ halten: ich bin begeistert! Bereits zum zweiten Mal hat mich der hierzulande noch nicht so bekannte norwegische Autor Jan Kjærstad mitgerissen. Sprachlich so herausragend und besonders, der Lesegenuss vergleichbar mit dem Schlürfen eines guten Weines, mit langem Abgang. Aber zuerst zum Inhalt:

In einer Ferienhütte, im Wald, in der Nähe von Oslo werden fünf Leichen gefunden, allesamt auf bestialische Weise ermordet. Bald wird publik, dass sich unter ihnen der Vorsitzende der Arbeiterpartei Arve Storefjeld und dessen erwachsene Tochter Gry, ebenfalls stark politisch engagiert, befinden. Statt jetzt aber dem üblichen Krimigenre, Polizei, Ermittlung und Täterüberführung zu folgen, geht der Autor einen anderen Weg. Er stellt Überlegungen an, wer um alles in der Welt, dem kleinen friedlichen Norwegen schaden will. Sollte es sich etwa um einen Terroranschlag halten? Das ganze Land ist erschüttert, gilt es doch als Nation, die sich nicht einmischt, aus den großen politischen Debatten Europas und der Welt heraushält und den Ruf als friedliches Völkchen in beschaulicher Natur genießt. Ein solcher Vorfall rüttelt alle auf, Urteile sind schnell gefasst und man strebt nach einer erfolgreichen und möglichst schnellen Aufklärung.

„Das war das Wertvollste, das wir hatten.[…]Auch in der Zeit nach dem Krieg hatten wir uns meist mit Glanz bewährt. Durch Heraushalten nämlich. Es war uns gelungen, abgeschieden zu leben, unsere Verhältnisse so beneidenswert einzurichten, dass wir es vermeiden konnten, hineingezogen zu werden. In den Dreck, in die Barbarei der Gewalt.“ (Seite 172)

Um das Große und Ganze zu verdeutlichen bedient sich Jan Kjærstad dreier Personen. Zum einen Ine Wang, erfolgreiche Journalistin, die, auch mit schlechtem Gewissen, in diesem spektakulären Ereignis ihre Erfolgschancen wittert (gerade erst hat sie den großen Politiker Arve Storefjeld interviewt und ein biografisches Manuskript erstellt). Zum Zweiten, der angesehene Richter Peter Malm, den wir Leser als besonnenen, aber auch sehr speziellen Zeitgenossen kennen lernen. Die meiste Zeit ist der Pedant mit sich selbst und seinen eigenen Interessen beschäftigt, bis er aufgrund des mutmaßlichen Anschlages beginnt, die derzeitige Situation im Land zu analysieren. Und last but not least Nicolai Berge, dem oppositionellen Flügel der Arbeiterpartei zugehörig, der sich in jungen Jahren Hals über Kopf in die junge Gry Storefjeld verliebt hatte.

Der Autor bedient sich des Mordfalls lediglich als Ausgangspunkt, keinesfalls als Mittelpunkt des Romans. Vielmehr lässt er daraus seine Geschichte entstehen, eine Geschichte über die Gesellschaft Norwegens, politische Machenschaften, Vorurteile und der allgemeine Hang zur Harmonie.
Mit seiner Sprachbegabung, Eloquenz und Empathie für die Menschen wird Jan Kjærstad in Zukunft bei meiner Lektüreauswahl immer ganz vorne dabei sein.

Und so wird das zuletzt gelesene Buch des Jahres zum Highlight desselben.



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Freitag, 30. August 2019
Mareike Fallwickl „Das Licht ist hier viel heller“
Wo ist sie geblieben, die Zeit, in der er ein erfolgreicher Schriftsteller war, ein gefragter Mann bei der Presse, in Literaturkreisen und bei den Frauen. Nichts hat er anbrennen lassen damals, in keinem der Bereiche. Jetzt haust Maximilian Wenger mehr schlecht als recht in einer kleinen Mietwohnung; um ihn herum herrscht Chaos. Seine Schwester versorgt ihn mit Essen während er sich gehen lässt. Alles scheint verloren, seine Frau, sein Haus, seine Kinder und vor allem seine Inspiration. Täglich schlurft er ungewaschen und mit Schlappen an den Füßen, sich am mittlerweile dicken Bauch kratzend, zum Briefkasten. Eines Tages findet er dort einen handgeschriebenen Brief, adressiert an seinen Vormieter. In Abständen kommen weitere Briefe und Wenger wird neugierig. Er beginnt darin zu lesen, fasziniert von der poetischen Sprache, den klaren Worten, die von einem schrecklichen Ereignis erzählen.

Zwischenzeitlich befindet sich seine Exfrau, eine erfolgreiche Influencerin, mit ihrem neuen Partner auf Reisen, um ein Video für ihren Beauty- und Fitnesskanal zu drehen. Die fast volljährigen Kinder der Wengers, Zoey und Spin, sind wie so oft auf sich selbst gestellt, sie kennen das, es war nie anders. Die Geschwister haben deshalb eine ganz besondere Verbindung. Sie sind füreinander da, stehen einander bei in Krisenzeiten und geben sich Halt. Beide Jugendliche versuchen in dieser Zeit ihre eigenen Wege zu finden, privat wie beruflich. Die kurzen Besuche beim Vater überbrücken Sie mit telefonieren, chatten oder Spielen am Handy. Bei einem dieser verhassten Pflichtbesuche entdeckt Zoey die Briefe, liest darin und findet sich in den traurigen, aber auch zornigen Worten der fremden Frau wieder. Denn auch Zoey selbst ist etwas zugestoßen, von dem kaum jemand weiß. Ihren Vater hätte sie da am dringendsten gebraucht, doch der war mal wieder nicht verfügbar.

Was zu Beginn des Buches humorvoll, fast satirisch anmutet, trägt im Ganzen gesehen einen tiefgründigen Kern. Der Themen gibt es viele in Mareike Fallwickls zweitem Roman. Im Vordergrund aber stehen Machtmissbrauch, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und der Umgang mit Grenzen, die gezogen und im nächsten Moment von anderen missachtet werden. Motive also, wie sie aktueller und wichtiger nicht sein könnten. Die Autorin legt außerdem den Finger tief in die Wunde unserer heutigen kurzlebigen Gesellschaft, in der scheinbar Erfolg und Ansehen mehr zählen, als alles Andere. Man könnte den Text als kleinen Rundumschlag bezeichnen, bei dem unter anderem die gesamte Literatur- und Verlagsbranche und die Neuen Medien eine gehörige “Watschen“ erfahren.

Sprachlich lässt sich Mareike Fallwickl von ihren Figuren leiten. Mal obszön und chauvinistische, mal frech, fesch und spritzig und ein anderes Mal sehr rührend und poetisch. Obwohl sie hin und wieder doch für meinen Geschmack zu tief in die Klischeekiste gegriffen hat, finden sich in ihrem Roman eine Menge herausragender Gedanken und Sätze. Das, was sie über eine Überlegung Wengers in folgendem Zitat schreibt, beherrscht sie selbst aus dem Effeff.

„Weil diese Energie, die durch die Sprache in den Briefen flirrt, ihn erinnert an die Macht, die er selbst einmal besessen hat. Er hat gespürt, was Worte auslösen können, was auch er einmal auslösen konnte mit Worten, alles eigentlich, Worte waren sein Stoff, sein Atem, sein Wesen. Er konnte sie herumwirbeln, aufeinanderstapeln, Löcher lassen dort, wo es Still sein musste. Und die Worte, die auf die Stille folgten, waren noch viel lauter.“ (Seite 54)

Eine ganze Palette an Gefühlen hat der Roman in mir ausgelöst, die wenigsten davon waren angenehm. Ein Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren einlädt. Lasst uns diese Einladung annehmen!


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Dienstag, 9. Juli 2019
Rebecca Hunt „Everland“
1913 entdeckt man eine kleine Insel in der Antarktis und entsendet von einem Segelschiff aus ein Team von drei Personen, um die Insel zu erkunden, geologische Proben zu nehmen und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Schon bald ist der Name für dieses neue Eiland gefunden: Everland. Als Leiter des Teams wird der erste Offizier Napps benannt, begleitet vom erfahrenen Matrosen Millet-Bass und dem jungen Wissenschaftler Dinners. Warum ausgerechnet dieser unerfahrene „Grünschnabel“ den Zuschlag für die Expedition bekommt stößt bei den Besatzungsmitgliedern auf Unverständnis. Wetten werden abgeschlossen, wie lange dieser wohl auf Everland überleben möge. Kaum auf der neuen Insel angekommen, häufen sich die Probleme, menschlicher und witterungsbedingter Natur.

Fast 100 Jahre später, 2012, reist noch einmal ein Schiff in Richtung Everland. Teils auf den Spuren der ersten Entdeckung, aber auch um biologische Forschung zu betreiben. Die Tiere der Antarktis sollen gezählt und markiert und eventuelle Bewegungen der Eisberge dokumentiert werden. Wieder wird ein Team von drei Personen mit kistenweise Proviant auf der Insel abgesetzt. Mit dabei und Chef des Teams: Degger. Für ihn wird dies die letzte Expedition sein bevor er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzieht. Zweite im Bunde: Jess, die jüngste unter ihnen, erprobte Assistentin der Feldforschung, fleißig, zupackend, und geradeheraus. Und auch hier wieder eine Unerfahrene: die Wissenschaftlerin Brix, die unter den anderen einen schweren Stand hat. Abermals kriselt es in der kleinen Arbeitsgemeinchaft.

In einem Interview mit ihrem Verlag Luchterhand erklärt die Autorin Rebecca Hunt, sie wolle die Handlung ihres Romans „in zwei verschiedene Zeitebenen aufteilen, in denen sich das Rätsel parallel entwickelt und gleichzeitig auflöst.“ Und genauso ist es ihr gelungen. Die Erzählstränge wechseln mit jedem Kapitel zwischen 1913 und 2012 und bewegen sich auf ein gemeinsames Ende zu.

Die eisige Landschaft der Antarktis beschreibt sie außerordentlich bildhaft, die Figuren menschlich und authentisch. Durch die Dreierkonstellation der beiden Teams entstehen immer wieder Allianzen, die aber durch die Geschehnisse stetig wechseln. Wie bei einem Eisberg, dessen größter Teil unter der Meeresoberfläche liegt, verbirgt sich das Wesentliche dieses Textes zwischen den Zeilen und dem Umgang der Personen miteinander. Die Urgewalten von Mensch und Natur erschweren beide Expeditionen. Es kommt nicht nur zu extrem rasch wechselnden Wettereinflüssen, sondern die Befindlichkeiten der sehr unterschiedlichen Charaktere gefährden letztendlich die Vorhaben.

Ich würde dieses Buch weniger als Abenteuerroman bezeichnen, sondern als Psychogramm der Menschheit, die sich offensichtlich in 100 Jahren nicht wesentlich verändert hat. Die Gleichartigkeit der Verhaltensmuster sticht als besonderes Merkmal aus der Handlung heraus; meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt. Kontroverse Meinungen habe ich seit Erscheinen des Buches verfolgt. Viele von ihnen kann ich gut nachvollziehen, andere nicht. „Everland“ ist wohl eins der Bücher, über das man sich unbedingt selbst ein Urteil bilden sollte. Für mich war die Lektüre ein wahrer Hochgenuss.


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Dienstag, 7. Mai 2019
Berni Mayer „Ein gemachter Mann“
In diesem Roman erzählt der Autor Berni Mayer von einer Jugend in den 90er Jahren; die Zeit der MP3-Player, des Modems und der Salatschleuder, wie er es beschreibt.

Robert Bley hangelt sich durchs Abitur ohne den geringsten Plan, was er mit seinem Leben anfangen will. Im fehlt es an Ehrgeiz, an Disziplin und Orientierung. Das zumindest würden seine Eltern sagen. Sie betreiben eine Gärtnerei, in der Robert ab und zu aushilft. Übernehmen möchte er den Betrieb aber nicht, DAS jedenfalls weiß er. Und so werden wie seine Eltern, spießig und pflichtbewusst, DAS will er ebenfalls nicht. Also lässt er es locker angehen, hängt erst einmal eine Weile ab und denkt am Rande über ein Studium der Germanistik nach.

Tatsächlich schreibt er sich an der Uni Regensburg ein. Als die ersten Vorlesungen beginnen und er sich eine kleine Wohnung am Rande der Stadt mehr schlecht als recht eingerichtet hat, wird ihm schnell klar, dass er dazu eigentlich auch nicht richtig Lust hat. Also gibt er sich ausgiebigen Kneipenbesuchen mit viel Alkohol hin, bekifft sich hin und wieder mit seinen Kommilitonen und wird Schlagzeuger in einer Band. Geld verdient er sich mal hier mal da und genießt seine Freiheit in vollen Zügen. Robert will möglichst alles, möglichst gut und schnell, ohne etwas dafür tun zu müssen. Ambitionen entwickelt er lediglich bei der Auswahl seiner Freundinnen, die sich alle weit über seinem Niveau bewegen. In einer Beziehung giert er dann nach Aufmerksamkeit und Zuwendung und wird dadurch wehleidig und zum Anhängsel.

Die Zeit vergeht. Und während Robert neben halbherzigem Studium noch immer seinen spätpubertären Launen folgt, bemerkt er voller Neid, dass alle um ihn herum erwachsen werden, ihren Weg gefunden haben und daran arbeiten, diesen zu ebnen.

Hier wird ein Lebensabschnitt beschrieben, wie ihn sicher jeder zweite Jugendliche so oder so ähnlich erlebt hat; von daher wenig spektakulär. Ein bisschen mehr Witz und Esprit hätte dem Roman meiner Meinung nach gut getan. Vielleicht spiegelt aber auch gerade das die friedliche, ja fast langweilige Zeit der Neunzigerjahre wider. Der „Protagonist“ ist trotz seiner charakterlichen Eigenartigkeiten nicht unbedingt unsympathisch. Allerdings hat sein Verhalten bei mir eine ganze Menge ausgelöst: mal mochte ich ihn schütteln und schubsen, ein anderes Mal hätte ich ihn anschreien mögen, ihm gewaltsam seine Augen öffnen und ihm Worte an den Kopf werfen, die er auch von einem Chef zu hören bekommt: “Ich wiederum glaub, dass du ein wahnsinnig schlauer Bursch bist, aber ein stinkfauler und wehleidiger Hund!“ (Seite 199). Ein seltenes Mal aber hat er mir sogar leidgetan.

Anhand der Danksagung am Ende des Romans, ist zu vermuten, dass es sich bei dem Protagonisten um den Autor selbst handelt, oder zumindest die Geschichte an seine eigenen Erfahrungen angelehnt ist. Sollte das so sein, hat Berni Mayer sich gut hinterfragt und analysiert und hat am Ende dann wirklich die Kurve gekriegt, hat den Status des „gemachten Mannes“ vielleicht sogar erreicht.

Kurzum: gute, solide Unterhaltung!


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Donnerstag, 4. April 2019
Demian Lienhard „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“
„Lebende, denke ich, verändern sich die ganze Zeit. […] Aber ein Toter, ist etwas Endgültiges.“ (Seite 56)

Der Jugendlichen Alba geht es nicht wirklich gut, sie leidet. Ja, woran eigentlich? Sie leidet an der Welt und dem Leben im Allgemeinen und den vielen Verlusten, die sie in ihren jungen Jahren schon hinnehmen musste, im Speziellen. Denn, man muss es so sagen, es wird viel gestorben in ihrem Umfeld. Schon einige aus ihrer Schule haben sich von der nahe gelegenen Brücke gestürzt. Und auch zu Hause war sie bereits mit dem Tod konfrontiert und bleibt mit ihrer Mutter, mit der sie sich nicht allzu gut versteht, alleine zurück.

Im Krankenhaus liegend scheint sie etwas Abstand von alledem zu kriegen. Hier trifft sie nicht nur eine Mitschülerin und kommt dem Gehilfen der Cafeteria etwas näher, sondern lernt Jack kennen, der eigentlich René heißt und in den sie sich unsterblich verliebt. Bei ihnen allen gibt sie sich wortgewandt, frech und gewitzt, weiß ihre innerliche Zerrissenheit gut zu verstecken. In Jacks Zuhause, bei seinen Eltern, findet sie bald das, was ihr zu fehlen scheint: Aufmerksamkeit, Liebe und Geborgenheit. Aber auch diese Familie ist längst nicht mehr vollständig. Trotzdem denkt Alba, dass sich ihr Leben von nun an in eine andere Richtung entwickeln wird. Bis zu einem Problem, das sich so einfach nicht lösen lässt. Sie gerät in einen Abwärtsstrudel und in ein gesellschaftliches Milieu, das sich keine Mutter für ihre Tochter wünschen würde.

Der Autor versetzt sich in seinem Debütroman ganz in die Lage seiner Protagonistin, erzählt aus deren Sicht und in der Gegenwartsform. Dadurch wird die Unmittelbarkeit der Geschehnisse deutlich. Allerdings hat mir Albas teilweise pubertäres Geplapper einiges an Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt. Die teilweise verquere Satzstellung verhinderte oftmals ein flüssiges Lesen („Jack war sauer auf mich deswegen und ich war es. Aber ich war auch sauer auf Jack. Er war nicht sauer auf Jack. Sauer auf mich war ich, […] Seite 202). Ebenso gestört haben mich Albas merkwürdige Metaphern, so “kleben Blicke wie Wachsstreifen“ oder sie fühlt sich “wie eine traurige Ölpumpe aus einem Film mit postnuklearen Motorradfahrern“.

Tatsächlich schafft es der Autor, bzw. Alba, in der ersten Hälfte des Romans seitenlang zu reden, ohne jedoch wirklich viel gesagt zu haben. Dann aber nimmt die Geschichte an Fahrt auf und wir werden Zeuge eines dramatischen, sozialen Abstiegs.

Demian Lienhard beschreibt sehr eindringlich eine Generation in der Schweiz der achtziger Jahre, die sich einerseits politisch engagiert, demonstriert und sich so für die Gesellschaft einsetzen will, sich andererseits aber auch durch eigenes Verschulden in den sozialen Abgrund befördert. Hier ist meiner Meinung nach ein schwieriges Thema zu gewollt und bemüht in die flapsige Sprache einer Jugendlichen gepackt. Ein Aufrütteln und Nachdenken über die Problematik ist aber auf jeden Fall gelungen.

Kein Rundum-sorglos-Roman, der aber sicher seine Leser finden wird!

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Freitag, 15. März 2019
Julian Barnes „Die einzige Geschichte“
Die 1960er Jahre waren allenthalben eine Zeit der Revolte. Gerade England, bzw. London, galt als Vorreiter einer neuen Kultur. Jugendliche kämpften für Freiheit und gegen das allgemeine Spießertum. So auch der 19-jährige Paul. Er lebt bei seinen Eltern in der Nähe der Hauptstadt und rebelliert gegen jegliche Konventionen. Er missachtet sämtliche Regeln, die Eltern sind ihm zu konservativ und die Ehe hält er für angestaubt und bourgeois, und überhaupt: Erwachsene nerven ihn, nein, er verabscheut sie geradezu. Er will beweglich bleiben, frei bleiben, sich nichts und niemandem unterordnen. Um ihm, was „ein nettes Mädchen“ angeht, ein wenig auf die Sprünge zu helfen, meldet seine Mutter ihn im Tennisclub an. Und gerade weil alle damit rechnen, dass Paul genau das ablehnt, geht er trotzig zum Probetraining. Und tatsächlich findet er dort seine erste große Liebe.

Aber es wäre nicht der aufsässige Paul und es wären nicht die 60er, wenn alles nach Plan verliefe. Die Auserwählte ist die etwa 20 Jahre ältere Susan; verheiratet und hat zwei Töchter, lebt in einem großen Haus und gehört zur „Upper Class“. Während alle um sie herum dem ungleichen Paar Unverständnis entgegenbringen, hält Paul sich für unglaublich cool und souverän. Der Rauswurf aus dem Tennisclub wegen dieses „ungeheuerlichen Skandals“ ist für ihn die Krönung seiner Unangepasstheit.

Paul geht bald im Haus der McLeods ein und aus, von Susans Ehemann eher widerwillig geduldet. Später, als ihre Beziehung enger und ernster wird, merkt Paul, dass Liebe allein nicht immer ausreicht, dass Beziehung auch Arbeit und Verantwortung bedeutet. Und so kommen den beiden Liebenden die verschiedensten Dinge dazwischen, Konflikte, Alltagsfliegen, Realitäten; kurz gesagt: es kommt ihnen das Leben dazwischen.

„Gewisse Erkenntnisse sollten erst später im Leben kommen, wenn sie vielleicht weniger schmerzlich sind.“ (Seite 181)

Julian Barnes zeichnet ein eher unromantisches, ungeschöntes Bild vom Leben und der Liebe. Nichts wird in sanfte Wolken gepackt, noch durch eine rosarote Brille betrachtet. Er lässt seinen Protagonisten aus dem Heute auf die erste Liebe zurückblicken. Lässt ihn in seinen Erinnerungen kramen, ihn analysieren und sein Verhalten genauestens unter die Lupe nehmen. Erst jetzt scheint Paul klar zu werden, dass der Grat zwischen Liebe und gegenseitiger Abhängigkeit ein schmaler ist. Der Autor schaut genau hin, geht ins tiefste Innere seiner Figur, die nicht unbedingt sympathisch daherkommt, aber authentisch und menschlich. Und gerade diese Beschreibung des Menschlichen mit all seinen Schwächen und Fehlern macht für mich diesen Roman so lesenswert. Ich hatte den Eindruck, als rechne Julian Barnes mit der Vorstellung der romantischen Liebe ab. Verpackt es in einen sprachlichen Ausdruck, der je nach Perspektive (junger Paul, erwachsene Paul) wechselt. Von jugendlich, spritzig, naiv zu weise, erfahren und eloquent. Auch spricht er zwischendurch den Leser immer wieder direkt an und macht ihn damit zu einer Art Verbündeten.

Ein gelungenes Psychogramm eines Liebenden!


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Montag, 11. März 2019
Jocelyne Saucier „Niemals ohne sie“
[…] der Geruch nach warmem Gras, die kühle Brise aus dem Wald, die über die grausamsten Details unserer Vergangenheit streicht, […]. Ich lasse die Bilder auf mich einstürmen, halte die stärksten fest, […] lasse mich ersticken, erdolchen, aufschlitzen, massakrieren, vernichten, und wenn ich tot bin, wenn ich nichts mehr spüre außer den Boden dieses abgrundtiefen Lochs aus Schmerz, fahre ich weiter […]. (Seite 204)

Mehr als 30 Jahre haben sich die Mitglieder der Familie Cardinal nicht mehr gesehen. Jetzt, 1995, treffen sie sich in einem Luxushotel zu einem Kongress. Dem Vater soll, über 80-jährig, eine Auszeichnung zum besten Erzsucher zuteilwerden. Schon im Foyer begegnen sich die 21 Geschwister; die Wiedersehensfreude scheint sich jedoch in Grenzen zu halten, keiner kann dem anderen in die Augen schauen und schnell stieben sie auseinander. Denn sie verbergen ein Geheimnis, das wie ein Schatten über der Familie liegt.

An dieser Stelle könnte ich ausführlich die offensichtlichen Fakten des Inhalts beschreiben: Familie lebt in heruntergekommenem Haus im kleinen Ort Norco; Vater hatte Zinnvorkommen entdeckt, dadurch Hoffnung auf Wohlstand; daraus wurde nichts; Minen wurden bald wieder geschlossen; viele Bewohner des Ortes verloren ihre Existenz; geblieben waren Frust und unbändige Wut. Das alles aber ist Kulisse und Voraussetzung für das, um was es in diesem Roman eigentlich geht. Denn die wahre Geschichte liegt dazwischen, unter der Oberfläche. Dazu später mehr.

Der Vater der Familie verbrachte seine Zeit im Wald mit der Erzsuche oder im Keller, in dem er seine Gesteinsproben katalogisierte, die Mutter stand in der Küche, um ihre Lieben mit Essen zu versorgen und zog sich abends auf ihr Zimmer zurück. Die Kinder waren meistens auf sich gestellt und verbrachten die Tage mit gewaltsamen Straßenkämpfen, Brandstiftungen und kleine Sprengungen mit Dynamit. Ihren Alltag zu Hause regelten sie mithilfe einer strengen Hackordnung unter den Geschwistern. Das führte zu zusätzlichem Streit und Unfrieden. Besonders war es Angele, die mit ihrer Art den Neid und Spott der anderen auf sich zog. Denn Angele war anders, klüger, besonnener, friedfertig. Sie wollte glücklich sein und sehnte sich nach einem besseren Leben. Als ihr ein reiches Ehepaar eine Ausbildung in einer Klosterschule ermöglichte, drohte sie vollends ins Aus der Familie zu geraten. Immer öfter war sie nun den Schikanen der älteren Geschwister ausgesetzt.

Die kanadische Schriftstellerin Jocelyne Saucier hat hier meiner Meinung nach einen ganz großen Roman in atemberaubender Sprache geschrieben. Das ungewöhnliche Setting, die vielfältigen Charaktere in dieser speziellen Familienstruktur und letztendlich die emotionale und herausragende Geschichte sind ein besonderes Leseerlebnis. Der Kern und die Bedeutung liegen tiefer, als zunächst zu erwarten. Es geht um die Sozialisation der Figuren, um die Interaktion zwischen Dorfbewohnern und den Mitglieder der Familie einerseits und der Beziehungsgeflecht zwischen den Geschwistern der Cardinals auf der anderen Seite.

Die Autorin lässt etwa eine Handvoll der im Mittelpunkt stehenden Kinder aus eigener Sicht erzählen. Sie versieht jeden dieser Figuren mit eigenem Tonfall und Wesensart. Sehr einfühlsam bereitet sie den Leser Kapitel für Kapitel auf ein tragisches Erlebnis vor, dass zu Beginn des Buches lediglich als dunkle Ahnung zu spüren ist. Eine Weile braucht es, um sich lesend den Begebenheiten anzupassen, dann aber wird man mitgerissen von der Spannung und der Einzigartigkeit. Die Autorin verlangt dem Leser emotional einiges ab und lässt ihn fast bis zum Schluss im Unklaren über das Geschehen, dass das zukünftige Leben aller Familienmitglieder verändern sollte.

Ein Buch, das man verkraften muss, das aber auch den eigenen Horizont erweitert und nach dessen Ende man nicht einfach ein anderes beginnt. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass dieser Roman zum Besten gehört, das ich seit Langem gelesen habe!


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Freitag, 1. März 2019
William Kent Krueger „Für eine kurze Zeit waren wir glücklich“
Der mittlerweile erwachsene Frank Drum erzählt uns von 50 Jahre zurückliegenden Ereignissen, die sein Leben und das seiner Familie für immer verändert haben und das Ende seiner Kindheit bedeuteten. Geschehen in diesem einen langen, sehr heißen Sommer 1961 in Minnesota.

Die Beschaulichkeit der Kleinstadt New Bremen gerät ins Wanken, als der junge Bobby Cole tot auf den Eisenbahngleisen nahe der Stadt gefunden wird. Eine große Trauer befällt die Bewohner. Trost und Seelsorge finden sie bei dem Methodistenpfarrer Nathan, Franks Vater. Zuständig für drei Gemeinden, spannt dieser oft die ganze Familie ein. So helfen Frank und sein kleiner Bruder Jake bei den Vorbereitungen der Gottesdienste, die Mutter leitet den Kirchenchor und die ältere Tochter Ariel begleitet sie an der Orgel.

Die Kinder New Bremens werden angewiesen, nicht auf den Eisenbahngleisen an der Brücke zu spielen, und obwohl des Verbotes, oder gerade deswegen, zieht es den 13-jährigen Frank genau an diesen Ort. Am Rockzipfel stets den stotternden kleinen Bruder Jake. Aus kindlicher Neugier wollen die beiden herausfinden, was mit Bobby geschehen ist. Als sie an diesem Tag von der Eisenbahnbrücke herabblicken, entdecken sie am Ufer des Minnesota River einen leblosen Landstreicher, über ihn gebeugt ein alter Sioux Indianer. Bald darauf scheint nicht nur für die beiden Jungen klar zu sein, dass es sich beim Tod des kleinen Bobby Cole nicht um einen Unfall handelte.

Nach den beiden Todesfällen kehrt etwas Ruhe ein, alle gehen ihren Beschäftigungen nach, die Polizei ermittelt, Nathan konzentriert sich auf seine Gottesdienste, Mutter und Tochter beschäftigen sich mit einem musikalischen Auftritt und die beiden Jungs tun Dinge, die kleine Jungs eben so tun in einem heißen Sommer in Minnesota. Dann plötzlich verschwindet Ariel und die Welt der Familie Drum stürzt zusammen.

„Die Zeit im Hause Drum veränderte sich in dieser Nacht. Wir traten in eine Phase ein, in der jeder einzelne Augenblick zugleich mit vollkommen unerlässlicher Hoffnung und grauenhaften, fast unerträglich schlimmen Befürchtungen aufgeladen war. Vaters Reaktion bestand im Beten.“ (Seite 236)

In ruhigen Bildern und mit sanfter Sprache beschreibt der Autor Kleinstadt und Umgebung, spricht alle Sinne des Lesers an und schafft trotz tragischer Umstände eine nahezu friedliche Atmosphäre. Er führt uns durch die Geschichte, nicht ohne uns ab und zu in die Irre zu leiten. Seine Charaktere zeichnete er mit viel Einfühlungsvermögen und Detail. Ganz besonderen Wert legt er hier auf die beiden Brüder, die so unterschiedlich sind wie zwei Seiten einer Medaille. Der eine wild und draufgängerisch, ohne Furcht, der andere zurückhaltend und ängstlich, aber mit hoher emotionaler Intelligenz. Die Unterschiedlichkeit all seiner Figuren in diesem Roman lässt jeden anders mit den Ereignissen umgehen.

Zwischendurch gestalteten sich für mich einige Seiten etwas zäh, doch dann entwickelte der Text eine Dynamik, der ich mich nur schwer entziehen konnte. Im Nachhinein betrachtet waren aber genau diese Seiten notwendig, um zu begreifen, an welchem Punkt eine Veränderung aller stattgefunden hat und worin der große Unterschied zwischen Glück und Unglück liegt.

Ein sehr gefühlvoller Roman, der nachdenklich macht und Fragen aufwirft. Ist immer alles so, wie es scheint? Halten wir uns an Vorurteilen fest, um die Wahrheit nicht zu erkennen? Lohnt sich ein zweiter Blick auf die Dinge? Ist es nicht ratsam, die eigene Sicht auf die Welt zu verändern, statt darauf zu hoffen, dass die Welt sich ändert?


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Dienstag, 15. Januar 2019
Yael Inokai „Mahlstrom“
„Mahlstrom“, einen besseren Titel hätte dieser Roman nicht haben können, bedeutet er doch so viel wie Sog oder Strömung. In diesen wird man als Leser, mag es sich jetzt auch abgedroschen anhören, förmlich hineingezogen. Alles beginnt mit dem Auffinden einer toten jungen Frau im Flusslauf eines Bergdorfes. Mit einem schweren Mantel bekleidet wird sie aus dem Wasser gezogen. Offensichtlich handelt es sich um Selbstmord. Im Dorf wird diese Tatsache unter dem Mantel des Schweigens begraben. Zu Barbaras Begräbnis finden sich alle ein, bis auf zwei junge Männer, Hans und Yann. Hans hat das Dorf schon vor Jahren verlassen, ohne Gruß, ohne Abschied. Yann ist der Zugezogene, der irgendwann aus der Stadt, die für die anderen Kinder unvorstellbar weit weg war, mit seinen Eltern ins Dorf kam. Beide aber gehörten zu dieser einen Clique heranwachsender Kinder, die sich bald nach einem tragischen Ereignis aus dem Weg gingen.

Was es mit dem Tod Barbaras auf sich hat und wer diese junge Frau eigentlich gewesen ist, erfahren wir von einer Hand voll Menschen, die sie wohl am besten gekannt haben. Die Autorin gibt diesen Erzählern nicht nur eine eigene Gestalt, sondern jedem auch eine persönliche Sprache. Aber nicht unbedingt das, WAS sie schildern scheint wichtig, mehr noch, was sie NICHT erzählen, was weggelassen wird. Sie teilen ein Geheimnis, alle im Dorf. Es gibt Dinge, die möglichst verschwiegen gehören, die die Beteiligten verdrängt zu haben glaubten, bis dann eines Tages ……..

Das Außergewöhnliche an diesem Roman ist für mich die Art des Erzählens. Yael Inokai lässt dem Leser Raum für Interpretation, fürs Hineintauchen, fürs Nachempfinden und Erspüren der Atmosphäre, die sich wie etwas Dunkles durch den ganzen Text zieht. Sie vermeidet es, mit harten Fakten zu erschlagen, bleibt oft diffus und etwas geheimnisvoll. Stück für Stück, Seite um Seite wird die Ahnung dessen, was damals geschehen ist, greifbarer.

„Dieser einsame Tod passte nicht in die Sprache, mit der man sich hier über Alltäglichkeiten und Dramen austauschte, als wäre Leben immer das, was die anderen führen, während man selbst unbehelligt davon bleibt.“ (Seite 153)

Am Ende war ich traurig und erschüttert, nachdenklich, aber auch begeistert von diesem kleinen großen Roman.


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Montag, 19. November 2018
Salih Jamal „Orpheus“
„Außer der Liebe gibt es kein größeres Gefühl als das von Musik, wenn sie dich erfasst, dich zieht, schiebt, umweht oder anhaucht. Wenn sie dich ergreift und dich auf ihren Schwingen einem Adler gleich schwebend über alles Irdische emporhebt und fortträgt.“ (Seite 100)

Orpheus und sein jüngerer Bruder sind die Enkel in einer Familiendynastie, an deren Spitze der Großvater Zeus steht. Gewaltbereit und despotisch wacht er über das gesamte Familienimperium, scharrt die Mitglieder seiner Sippe um sich wie Jünger und duldet keinerlei Widerspruch. Auch Orpheus‘ große Liebe Nienke ist mit eingebunden, als Anwältin in der Firma Zeus‘ angestellt. Orpheus selbst frönt seiner Musikleidenschaft und hält sich neben den Auftritten mit seiner Band mit kleineren Jobs über Wasser. Eines Tages findet Nienke Ungereimtheiten in den Papieren des Alten und glaubt ihn nach einiger Recherche mit einem alten Mordfall in Verbindung bringen zu können. Orpheus ist außer sich, hadert anfangs mit sich, ist dann aber bereit, gegen den eigenen Großvater vorzugehen. Und dann verschwindet seine Geliebte eines Morgens, und seine Gedanken drehen sich fortan nur noch um die vermisste Nienke. Lediglich mit schönen Erinnerungen an seine Liebste hält sich Orpheus aufrecht.

Ein Buch der Extreme und den, auf den ersten Blick, stilistischen Unvereinbarkeiten. Auf den zweiten Blick fügt sich manches ineinander. So orientiert sich der Autor zum Beispiel an der griechischen Sage um Orpheus und Eurydike und holt die Basis der Geschichte in die Neuzeit. Auch funktioniert es, Literatur und Musik in Einklang zu bringen, obwohl man sich fragen könnte wie der „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show zur „Mondscheinsonate“ von Beethoven passt. Jedes Kapitel ist mit einem Musikstück überschrieben und so begegnen sich Cat Stevens und Peer Gynt wunderbar auf musikalischer und literarischer Ebene. Damit hat der Autor absolut meinen Geschmack getroffen.

Salih Jamal lässt keine Grauzonen zu, bei ihm gibt es nur Schwarz und Weiß. So auch seine Sprache: auf der einen Seite über die Maßen poetisch und einfach schön zu lesen, auf der anderen Seite obszön, geradeheraus und kaum zu ertragen. Und genau hier hat es für mich nicht den erwarteten Zusammenhalt gefunden, zumal beides aus einer Perspektive erzählt wurde. Abgesehen davon, dass es mir sprachlich etwas dick aufgetragen war, so sind mir zwischendurch immer wieder unpassende, umgangssprachliche Begriffe aufgefallen, die den schönen Lesefluss für mich behindert haben und nicht zur Figur des Protagonisten gepasst haben.

Mein Lesevergnügen (der Autor hatte mich von der ersten Seite in Bann gezogen) endete zur Hälfte des Buches bei der Beschreibung einer extremen Gewaltszene. Nicht, dass ich solches aus anderen Krimis nicht gewohnt wäre, doch die Genauigkeit und die abstoßende Wortwahl, die verwendet wurde, war mir persönlich zu heftig, und die Bilder haben sich lange vor meinem inneren Auge gehalten. Für mich liegt die Kunst der Literatur oft in Andeutungen, im Ungesagten oder den Worten zwischen den Zeilen. Da ist weniger manchmal mehr.

Leider kann ich diesen Roman trotz der originellen Idee und der zahlreichen poetischen Sätzen nicht uneingeschränkt jedem empfehlen!



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