Montag, 12. Juli 2021
Bernhard Jaumann "Caravaggios Schatten"
"Öffne deine Augen! Sieh endlich genau hin!" Mit diesen fordernden, an Rupert gerichteten Worten, schnellt Andreas nach vorne und zerstört ein wertvolles Gemälde mit einem Messer. Das Bild: "Der Ungläubige Thomas" vom italienischen Barockmaler Michelangelo Merisi da Caravaggio.
Die ehemaligen Schulfreunde hatten sich nach jahrelangem Sich-aus-den-Augen-Verlieren in Berlin getroffen und im Potsdamer Schloss Sanssouci eine Ausstellung besucht.

Die Polizei ist schnell zur Stelle, und während man Andreas Posselt direkt in Untersuchungshaft bringt, nimmt man Rupert von Schleewitz wegen des Verdachts der Mitwisserschaft mit ins Präsidium. Nach ausführlicher Befragung ist er jedoch wegen Mangels an Beweisen wieder auf freiem Fuß.

Erst jetzt beginnt er sich die Ereignisse der letzten Stunden durch den Kopf gehen zu lassen. "Öffne deine Augen! Sieh endlich genau hin!? Diese Sätze gehen ihm immer wieder durch den Kopf. Doch dann schüttelt er alles ab und fährt zurück nach München. In der Kunstdetektei von Schleewitz wartet Arbeit.

Zurück im Büro stürzt sich Rupert unvermittelt ins Alltagsgeschäft, sehr zur Verwunderung seiner beiden Mitarbeiter Max und Klara. Ein dringender Regierungsauftrag reißt die drei Detektive aus ihrer Routine, nicht nur beruflich. Der beschädigte Caravaggio ist verschwunden!

Auch bei Bernhard Jaumanns zweitem Band um die Kunstdetektei von Schleewitz bereitete es mir wieder eine unbändige Freude, mich schon zu Beginn der Lektüre mit dem Gemälde zu beschäftigen. Während des Lesens war es immer wieder von Vorteil einen genauen Blick darauf zu werfen, sonst wären mir Parallelen zur Geschichte vermutlich nicht aufgefallen. Der Autor versteht es auf geschickte Weise die Handlung im Gemälde sich im Verhalten seiner Romanfiguren spiegeln zu lassen. Es entsteht eine Verknüpfung, die auch uns Leser*innen nicht außen vor lässt. Auch wir sind angehalten genau hinzuschauen.

Ruperts Blick auf das Gemälde:
"Ein Halbbogen bestimmte die obere Hälfte der Komposition. Er verlief von Jesus? Ellenbogen über die Stirn des hinteren Jüngers zum äußeren Arm des rechten Apostels. Die beiden Enden des Bogens hatte Caravaggio mit einer etwas wackeligen Geraden verbunden, die vor allem durch die drei in einer Waagerechten befindlichen Hände betont wurde. [?] Keiner der abgebildeten Männer hielt den Kopf aufrecht, alle vier beugten ihn nach vorn, nach unten." (Seite 28)


Eine kleine Durststrecke galt es für mich, wegen einer in die Länge gezogenen Szene zu überwinden. Danach hatte mich der Autor wieder gepackt und zog die Spannung noch einmal richtig an. Dieser Kritikpunkt soll aber auf keinen Fall meine Leseempfehlung schmälern. Und wie schon beim letzten Mal erwähnt kann ein kleines Faible für die Malerei hier nicht schaden.

Ebenfalls hier im Blog:
Der Turm der blauen Pferde

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