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Dienstag, 15. Januar 2019
Yael Inokai „Mahlstrom“
liva, 17:43h

Was es mit dem Tod Barbaras auf sich hat und wer diese junge Frau eigentlich gewesen ist, erfahren wir von einer Hand voll Menschen, die sie wohl am besten gekannt haben. Die Autorin gibt diesen Erzählern nicht nur eine eigene Gestalt, sondern jedem auch eine persönliche Sprache. Aber nicht unbedingt das, WAS sie schildern scheint wichtig, mehr noch, was sie NICHT erzählen, was weggelassen wird. Sie teilen ein Geheimnis, alle im Dorf. Es gibt Dinge, die möglichst verschwiegen gehören, die die Beteiligten verdrängt zu haben glaubten, bis dann eines Tages ……..
Das Außergewöhnliche an diesem Roman ist für mich die Art des Erzählens. Yael Inokai lässt dem Leser Raum für Interpretation, fürs Hineintauchen, fürs Nachempfinden und Erspüren der Atmosphäre, die sich wie etwas Dunkles durch den ganzen Text zieht. Sie vermeidet es, mit harten Fakten zu erschlagen, bleibt oft diffus und etwas geheimnisvoll. Stück für Stück, Seite um Seite wird die Ahnung dessen, was damals geschehen ist, greifbarer.
„Dieser einsame Tod passte nicht in die Sprache, mit der man sich hier über Alltäglichkeiten und Dramen austauschte, als wäre Leben immer das, was die anderen führen, während man selbst unbehelligt davon bleibt.“ (Seite 153)
Am Ende war ich traurig und erschüttert, nachdenklich, aber auch begeistert von diesem kleinen großen Roman.
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