Montag, 16. März 2015
Bernhard Schlink: „Die Frau auf der Treppe“ Hörbuch
Gelesen von Charles Brauer

Auf einer Geschäftsreise nach Australien wird sich das Leben des Ich-Erzählers verändern. Davon ahnt er allerdings noch nichts, als er ein Museum in Sydney betritt. Plötzlich bleibt er wie angewurzelt vor einem der Exponate stehen, dass er aus früheren Zeiten kennt. Das Gemälde zeigt eine nackte Frau wie sie eine Treppe hinunterschreitet. Damals war er ein junger Anwalt in Frankfurt und träumte von einem guten Leben. Dieses Ziel wusste er pedantisch zu verfolgen. Doch dann geriet er zwischen die Fronten zweier Klienten, die sich um eben dieses Gemälde stritten. Auch die Frau, die für das Bild Modell gestanden hat, Irene, spielte in deren Unstimmigkeiten eine große Rolle. Der Anwalt verliebte sich in die Frau, bereit sein Leben und seine Zukunftsvision hinter sich zu lassen und mit ihr und dem Bild durchzubrennen. Das gut geplante Vorhaben gerät allerdings außer Kontrolle und Irene verschwindet spurlos, mit ihr das Bild „die Frau auf der Treppe“.

Als der Anwalt jetzt, Jahrzehnte später, das Museum verlässt, setzt er alle Hebel in Bewegung, um Irene aufzuspüren. Er findet sie tatsächlich in einem kleinen Haus an einer unscheinbaren Bucht. Eben an jenem Ort, wo sich bald alle wiedertreffen werden. Aus dem jungen Juristen ist ein großer Anwalt der Reichen mit eigener Kanzlei geworden, aus dem Nächsten ein millionenschwerer Unternehmer, aus dem Dritten einer der erfolgreichsten Maler seiner Zeit. Auch für Irene hat sich einiges verändert, wenn auch nicht im positiven Sinn.

Der Autor Bernhard Schlink zeigt in diesem Buch, dass es im Leben um mehr geht. Dass Zufriedenheit nicht unbedingt mit Erfolg zusammenhängt, Reichtum nicht unweigerlich mit Geld zu tun hat und Luxus eine Frage der Weltanschauung sein kann. Trotz des tieferen Sinns der Geschichte, den der Leser hineininterpretieren kann, bleibt der Autor in seiner Art des Erzählens an der Oberfläche. Um Bedeutungsvolles in diesen Text zu transportieren, fehlt meiner Meinung nach die Emotionalität der Sprache. Mit den langen, teilweise unbedeutenden Dialogen, bleibt das Buch eher langweilig. Die eigentlich originelle Idee der Handlung hätte spannender umgesetzt werden können.

So schnell das Hörbuch gehört ist, so schnell ist die Geschichte auch wieder vergessen. Schade eigentlich!

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